Liboriusblatt, Bayerisches Sonntagsblatt und Christliche Woche.
Erschienen am 4. Juni 2017 

Barbara Gerasch hat einen Altar der 100 Alten geschaffen und beim Kirchentag in Berlin gezeigt.

Text und Fotos: Thomas Schnieders

Der
Der „Altar der 100 Alten“ auf dem Berliner Kirchentag. 

Die Frage, wie sie selbst einmal alt werden wolle, hat die Künstlerin Barbara Gerasch vor einigen Jahren beschäftigt und zum Pinsel greifen lassen. Sie sei in ein Altenheim gegangen, erzählt sie. Dort habe es eine kleine Ausstellung gegeben, mit Fotos, Liebesbriefen von 400 Bewohnern. Doch die meiste Zeit säßen die in ihren Zimmern und sähen fern, berichtet sie und sagt: „Was könnten wir davon profitieren! Ich wollte ihnen eine laute Stimme geben.“ So entstand ihre Idee des „Altars der 100 Alten“, den sie während des Kirchentags auf dem Messegelände ausstellte. Vorher war er schon in zwei Berliner Kirchen zu sehen.

Alter in Gold

Sie hat Bewohner des Heims ikonenähnlich gemalt: Auf die Leinwände hatte sie zuvor eine Strukturtapete aufgetragen und diese dann mit Blattgold überzogen. Porträts von Frauen und Männern sind es geworden, denen man natürlich ihr Alter ansieht, aber auch, mit welch Liebe und Detailreichtum Gerasch sie gemalt hat und damit, wie wertvoll jeder Mensch auch im Alter ist. Dieses Werk war ihr so wichtig, dass sie dafür ihr Erspartes aufgebraucht hat. Für das Christentreffen hat sie sich überlegt, „die Sache komplett“ zu machen, wie sie sagt. „Hier möchte ich die Jungen noch einbeziehen.“ Deshalb sind die 100 Bilder ergänzt durch ein großes Gemälde in der Mitte, das sie gemeinsam mit Berliner Jugendlichen gestaltet hat.

Im Alter gute Erinnerungen

Weniger gegenständlich, aber genauso meditativ ist es geworden. Die typischen Kirchentags-Papphocker sind davor aufgestellt, immer wieder setzen sich Besucher des bunten Treibens für einen Moment. Wer mit Ruhe das Bild ansieht, erkennt drei Kreuze, die hindurch schimmern, kann Symbole verschiedener Religionsgemeinschaften assoziieren. Mittig, in einer großen Kugel, schwebt ein Fötus, der Kreis des Lebens, zwischen Jung und Alt schließt sich hier. Über einen Zeitraum von neun Jahren ist dieses Werk entstanden, erzählt Gerasch. Sie hat darin die Antwort gefunden, ob und wie sie alt werden möchte: „Ja, ich möchte alt werden, weil ich das Leben als Geschenk sehe, sie möchte im Alter von vielen guten Erinnerungen zehren“, erzählt die 55-Jährige. Sie versucht mittlerweile stärker das Positive zu sehen. Seit dieser Arbeit ist sie auch „überzeugt, dass nach dem Tod etwas Neues beginnt“.